Introduction
  Benjamin, Walter
  Bismarck, Otto v.
  Brecht, Bertolt
  Celan, Paul
  Döblin, Alfred
  Fontane, Theodor
  Grosz, George
  Grünbein, Durs
  Heartfield, John
  Honigmann, Barbara
  Isherwood, Christopher
  Johnson, Uwe
  Kleist, Heinrich v.
  Kollwitz, Käthe
  Kracauer, Siegfried
  Lang, Fritz
  Lasker-Schüler, Else
  Liebermann, Max
  Liebknecht, Karl
  Luxemburg, Rosa
  Marc, Franz
  Ossietzky, Carl v.
  Riefenstahl, Leni
  Ruttmann, Walther
  Schinkel, Karl Friedrich
  Speer, Albert
  Tieck, Ludwig
  Tucholsky, Kurt
  Ury, Lesser
  Varnhagen, Rahel
  Wenders, Wim

 

 
Brecht, Bertolt

General Bio Epic Theatre Influence Influence 2 Brockhaus Article Works

Article from Brockhaus-Enzyklopädie

Brecht Bertolt, eigtl. Eugen Berthold Friedrich B., Schriftsteller und Regisseur, *Augsburg 10. 2. 1898--Berlin (Ost) 14. 8. 1956; studierte 1917-18 in München Philosophie und Medizin; erbitterter Kriegsgegner, 1918 fur kurze Zeit Militardienst im Lazarett dann Fortsetzung des Studiums. 1921 Exmatrikulation (ohne Abschluss) und Beginn der Theaterarbeit Ersten literar. Erfolg hatte er mit dem Drama "Trommeln in der Nacht" (Kleist-Preis 1922). 1924-26 arbeitete er an M. Reinhardts "Deutsche Theater" in Berlin, dann als freier Schriftsteller. 1922-27 war er verheiratet mit der Sängerin MARIANNE ZOFF;, seit 1928 mit der Schauspielerin HELENE WEIGEL. Befreundet war B. u.a. auch mit MARGARET E STEFFIN, ELISABETH HAUPTMANN, spater auch RUTH BERLAU; (alle auch Mitarbeiterinnen). - E. PISCATORS polit. Theater, die Zusammenarbeit mit dem Komponisten KURT WEILL, v. a. aber das Studium des Marxismus (etwa 1926-30; hier bes. Einfluss von K. KORSCH) wurden für seine weitere Arbeit prägend. B. unterstützte in polit. Grundfragen die Kommunisten, trat jedoch nicht der KP bei. 1933 verließ er Deutschland. Nach Aufenthalten in der Schweiz und in Danemark (1933-39) fand er über Schweden, Finnland und die Sowjetunion schließlich im US-Bundesstaat Kalifornien Zuflucht (1941-47). 1948-49 kehrte er über die Schweiz nach Dtl. zuruck: in Berlin (Ost) grundete er 1949 mit H. WEIGEL das Berliner Ensemble, dem bald große Experimentiermöglichkeiten offen standen. Mitarbeiter waren u.a. die Komponisten H. EISLER, P. DESSAU, die Bühnenbildner C. NEHER, T. OTTO, der Regisseur E. ENGEL; jüngere, später selbststfindige Regiemitarbeiter: B. BESSON, P. PALITZSCH. M WEKWERTH. Die Inszenierungen eigener Stücke und Bearbeitungen erlantten Weltruhm; B. verstand sie als Modellinszenierungen.

Der fruhe B. setzie dem Pathos des Expressionismus die Sinnlichkeit und Diesseitigkeit des Menschen entgegen ("Baal"). Die 1920er-Jahre reflektierte er u. a in der Adaption zeitgenöss. amerikan. Großstadtkultur. die er im Zwielicht von Parodie und kulinar. Genießen aufarbeitete (so in dem Welterfolg der ~Dreigroschenoper", nach J. GAYS "The beggar's opera"). ähnlich in "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" (ebenfalls als Oper neuen Stils konzipiert). Die Anmerkungen B.s zu beiden Werken betreffen seine "epische", "nichtaristotelische" Dramentheorie, später sprach er vom "dialektischen Theater". Unter dem Einfluss des Marxismus (formal auch nach jap. Vorbildern schuf er die strenge Disziplin der "Lehrstücke" ("Die Maßnahme" u.a.), die als Denk- und Entscheidungsschulung gedacht waren. In "Die heilige Johanna der Schlachthofe" und "Die Mutter" (nach GORKI) verbindet sich die Lehrhaftigkeit mit einer geschichtsphilosoph. Dimension. In den im Exil entstandenen großen Stücken tritt das Lehrhafte zurück. Sinnlichkeit im Figuren- und Handlungsaufbau erhält breiteren Raum, wodurch ein reicheres Spektrum ästhet. Beziehungen eine neue Synthese von Unterhaltung und Belehrung möglich wird. Untcrschiedlich strukturierte Parabeln stehen neben geschichtl. und zeitgeschichtl. Sujets ("Mutter Courage und ihre Kinder", "Der gute Mcnsch von Sezuan", "Leben dcs Galilei", "Der aufhaltsame Auf.stieg des Arturo Ui") zu satir. Entlarvung unu Verhaltensdemonstration gesellt sich die "Verführung" durch Weisheit, Güte und Liebe ("Der kaukas. Kreidekreis", "Herr Puntila und sein Knecht Matti"). Häufig griff er klass. Vorlagen auf, die er nach seinen Intentionen umarbeitete (u.a von Sophokles, Marlowe, Shakespeare). Ein Schlüsselbegriff von B.s Theater war das Prinzip der Verfrendung ("V-Effekt") das Einfühlung und Illusion unmöglich machen, jedoch krit. Bewusstsein wwecken sollte.

B.s Lyrik behauptet einen künstierisch gleichwertigen Rang und reicht von der derben, fast improvisierten Ballade bis zum Kampflied für die proletar. Einheheitsfront, vom zarten Liebesgedicht bis zum philosoph. Monolog, vom Reimspruch bis zur bösen Satire. Die Formen, die B. - oft parodistisch- übernahm und gleichsam von innen heraus verwandeite, entstammen der gesamten weltliterar. Tradition, von chin. und jap. Lyrik über F. VILLON, LUTHER bis zu A. RIMBAUD und F. WEDEKIND.

Unter den erzähler. Prosaarbeiten haben die verschiedenen, häufig parabol. Kurzformen gegenüber den Romarien ("Dreigroschenroman"; >"Die Geschäfte der Herrn Julius Caesar", Fragment) das größere Gewicht. Das für B. so bezeichnende satirisch-parodist. Sprechen provoziert auch hier das Bewusstsein zur Kritik. Bei den "Keuner-Geschichten" und den "Flüchtlingsgesprächen" entwickelte B. diese listige Art des Philosophierens in der Form von Gleichnisrede und Beispielerzählung. B. schrieb mehrere Filmskripte. Bei "Kuhle Wampe" führte er mit S. DUDOW auch Regie ( 1929). B.s poet. und theaterprakt. Arbeit war stets von theoret. Reflexion begleitet, in deren Mittelpunkt die in Jahrzehnten weitergebildete Dramaturgie des "epischen Theaters" steht.

In der BRD war B. bis in die 1970er-Jahre als marxist. Autor umstritten, die Bühnenwirksamkeit seiner Stücke setzte sieh jedoch gegen alle polit. Vorbehalte durch. Sein Werk wurde schulebildend und vermittelt ungebrochen Denkanstöße für Film, Musik und bildende Kunst.

Source:

"Brecht, Bertolt" Brockhaus-Enzyklopädie in 24 Bden. 20. Auflage. Leipzig & Mannheim: Brockhaus, 1996-. Bd. 3, S. 678.

<--Previous     Next-->