Introduction
  Benjamin, Walter
  Bismarck, Otto v.
  Brecht, Bertolt
  Celan, Paul
  Döblin, Alfred
  Fontane, Theodor
  Grosz, George
  Grünbein, Durs
  Heartfield, John
  Honigmann, Barbara
  Isherwood, Christopher
  Johnson, Uwe
  Kleist, Heinrich v.
  Kollwitz, Käthe
  Kracauer, Siegfried
  Lang, Fritz
  Lasker-Schüler, Else
  Liebermann, Max
  Liebknecht, Karl
  Luxemburg, Rosa
  Marc, Franz
  Ossietzky, Carl v.
  Riefenstahl, Leni
  Ruttmann, Walther
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  Tieck, Ludwig
  Tucholsky, Kurt
  Ury, Lesser
  Varnhagen, Rahel
  Wenders, Wim

 

 
Döblin, Alfred

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Article from Brockhaus-Enzyklopädie

Döblin, Alfred, Schriftsteller, *Stettin 10. 8. 1878--Emmendingen 26. 6. 1957; stammte aus einer jüd. Kaufmannsfamilie; studierte Medizin in Berlin und Freiburg im Breisgau und lebte seit 1912 als Facharzt für Nervenkrankheiten in Berlin. Seit Ende des Ersten Weltkriegs sympathisierte er mit der polit. Linken (Mitgl. der USPD, 1921-30 der SPD). 1933 emigrierte D. zunächst nach Paris (1936 frz. Staatsbürgerschaft); 1940 entkam er in dramat. Flucht in die USA. Da Publikationsmöglichkeiten fehlten, war seine wirtschaftl. Lage dort schlecht; der Ubertritt zum Katholizismus führte zur Isolation von den anderen Exilautoren. Deshalb kehrte er sofort nach Kriegsende als Berater in der Kulturabteilung der frz. Militärregierung nach Dtl. zurück; in ihrem Auftrag gab er 1946-51 die Literaturzeitschrift Das goldene Tor heraus.

Cover of Döblin's "Berlin Alexanderplatz" (click on the image to enlarge)

Die im Exil entstandenen Werke wurden nun veröffentlicht, fanden aber kaum ein Echo. Enttäuscht und schwer krank, zog er sich 1953 wieder nach Paris zurück, die letzten Lebensmonate verbrachte er in Sanatorien im Schwarzwald. Obwohl seit 1910 Mitarbeiter der Zeitschrift Der Sturm, lässt sich D. weder dem Sturmkreis, noch einer anderen Stilrichtung der Zeit eindeutig zuordnen. Gegenstand seiner Romane ist die entseelte Realität. Er setzte alle modernen Erzähltechniken ein (z. B. Perspektivenwechsel, Simultantechnik, Stream of consciousness, Reportage, Montage) und entwickelte daraus eine Romanprosa von stilist. Vielfalt und sprachl. Originalität. Berlin Alexanderplatz (1929) verdankt seinen herausragenden Rang in der Literatur des 20. Jh. nicht zuletzt dieser Vielfalt, die Zeitbezüge und alttestamentl. Allusionen gleichermaßen ermöglicht. Die Geschichte vom Franz Biberkopf (so der Untertitel des Romans) war D.s erster großer Erfolg (Verfilmung 1931 mit H. GEORGE in der Titelrolle). Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erreichte D. zu seinen Lebzeiten erst wieder mit seinem letzten Roman, der Autobiographisches mit einem Heimkehrerschicksal verknüpft: Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende (1956).

Auch die anderen Romane D.s lassen sich nur schwer inhaltlich definierten Romantypen zuordnen. Dem Entwicklungsroman (Die drei Sprünge des Wang-lun, 1915), dem histor., auf umfangreichen Recherchen beruhenden Roman (Wallenstein, 2 Bde., 1920, die Südamerika-Trilogie Land ohne Tod, 1937-48), dem psychologisch-geselischaftskrit. Roman (Pardon wird nicht gegeben, 1935) hat D. ebenso wie dem Großstadtroman eine Neudeutung und individuelle Ausprägung gegeben. Das Gesamtwerk umfasst außerdem literaturtheoret. Essays (Der Bau des ep. Werkes. 1929). Tageskritik, polit. Glossen sowie eine Anzahl, seit der Konversion zunehmend theologisch orientierter, philosoph. Niederschriften, ohne class sich D. auch hier auf ein Dogmenschema festlegt. Weitgehend unbekannt geblieben sind seine dramat. Versuche, sein theoret. wie prakt. Interesse an den neuen Ausdrucksmedien Rundfunk und Film.

Nach D. benannt ist der -Alfred- Döblin-Preis.

Source:

"Döblin, Alfred" Brockhaus-Enzyklopädie in 24 Bden.
20. Auflage. Leipzig & Mannheim: Brockhaus, 1996-. Bd. 5, S. 587-88.

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